weissgraeber
Keine SEO-Maßnahmen für die Intranet-Suche!
von am 02.03.2011 um 16:11 (2420 Hits)
Warum SEO im Intranet der falsche Ansatz ist: Optimierung der Intranet-SucheZiel für jeden Mitarbeiter ist es, nach Eingabe eines Suchbegriffes in der Intranet-Suche die relevanten Suchergebnisse präsentiert zu bekommen. Die Erwartungen gelten hierbei nicht nur der Geschwindigkeit und Präsentation der Suchergebnisse, sondern natürlich auch der Qualität der Treffer. Der naheliegende Ansatz für die Verbesserung der Treffer liegt in der Übertragung von SEO-Prinzipien aus dem Internet auf das Intranet: das Optimieren der Treffer hinsichtlich der Relevanz für einzelne Keywords.
Google beeinflusst nicht nur unsere Erwartungen an Suchergebnisse im Internet, sondern führt auch zu einer Erwartungshaltung an die Suchfunktionen im eigenen Unternehmen. Intranet- und Internetsuche sind aber nicht miteinander vergleichbar.
Manche empfehlen auch für die Intranet-Suche die Durchführung "klassischer" Internet-SEO-Maßnahmen. Dieser Artikel stellt (m)einen anders gelagerten Standpunkt dar - in der Hoffnung einen gemeinsamen konstruktiven Diskurs zu führen.
Hier befindet sich der klassische SEO-Ansatz aber auf dem Holzweg! Problematisch ist dieser Ansatz aufgrund der elementaren Unterschiede zwischen Internet und Intranet:
- Unterschiede der Datenherkunft
- Differenz in der Beeinflussung der Auffindbarkeit innerhalb einzelner Datenquellen: auf manche der durchsuchten Datenquellen gibt es keine redaktionelle Einflußmöglichkeit
- Das Mengengerüst der Treffer z.B. im Dateisystem lässt keine manuellen Prozesse zu
- Vernachlässigung der technischen Möglichkeiten der Intranet-Suche
Datenquellen
Durchsucht wird hier idealerweise der gesamte Teil der Daten auf die ein Mitarbeiter Zugriff hat. Dazu gehören:
Die Suche berücksichtigt dabei alle Treffer in all diesen Datenquellen gleichzeitig.
- die redaktionell aufbereiteten Inhalte, wie Intranetseiten und -dokumente, Handbücher, Prozessanweisungen, Verfahrensanleitungen
- unternehmensweite Datenbanken, z.B. Kontaktverzeichnis oder CRM-Daten
- mitarbeiterbezogene, persönliche Inhalte, z.B. E-Mails
- Dateisysteme in Form von Gruppenlaufwerken, Formulare
- Daten in geschlossenen Systemen, z.B. Business-Intelligence / Data-Warehouse Komponenten
Suchergebnisse
Die Suchergebnisse werden dabei gemeinsam durchsucht und präsentiert, um einen Zugangspunkt als Ausgangspunkt für alle Suchwünsche zu etablieren.
Insgesamt sind in den Suchergebnissen drei Aspekte zu unterscheiden:
- Der "Recall" bewertet den Anteil, der zu einer Suchphrase gefunden wird im Vergleich zu den vorhandenen Treffern.
- "Precision" bewertet die über die relevanten Treffer hinaus angezeigten Dokumente, die zur Suchphrase eigentlich nicht relevant sind.
- Die "Relevancy" bewertet die Sortierung der Ergebnisse untereinander im Verhältnis zur Relevanz der Suchphrase.
Wichtig für den suchenden Mitarbeiter ist dabei zunächst, dass alle möglichen Treffer in den Suchergebnissen genannt sind (Recall). Dies lässt sich durch die Implementierung der notwendigen Information Retrieval und Content Extraction-Tools in den einzelnen System rein technisch umsetzen.
Als nächstes folgen die Ergebnisqualität in Form von Precision und Relevancy. Im Unterschied zur Internet-Suche ist allerdings in einem Unternehmen davon auszugehen, dass alle möglichen Treffer eine zumindest annehmbare Relevanz haben - während beispielsweise Google also zunächst mit dem Aussieben irrelevanten Contents beschäftigt ist, ist das Enterprise Search Tool schon bei der nächsten Aufgaben angelangt: Die Reihenfolge der Treffer.
Ranking-Signale
Für alle Suchmaschinen, unabhängig der verwendeten Technologie, identisch, findet das unterscheiden der Reihenfolge (Treffer-Relevanz) durch Auswertung verschiedener Ranking-Signale statt. Google hat bekanntermaßen zunächst den PageRank als wichtiges Rankingsignal implementiert, später erweitert/ergänzt/... durch weitere Signale.
Einer unternehmensweiten Suchlösung stehen Informationen wie die Beziehung einzelner Treffer zueinander aber gar nicht zur Verfügung.Dokumente
im Dateisystem oder Daten in SAP besitzen eine solche Vernetzung zum Beispiel gar nicht. Die Informationen über die Ergebnisqualität oder Relevanz sind also intrinsisch im Treffer verortet. Während klassisches "Internet-SEO" die Kenntnisse über die (vermuteten) Algorithmen von Google ausnutzt, kann eine "Enterprise-SEO" hier deutlich weiter gehen: die Adaption der Algorithmen und Auswertungsverfahren kann durch die Verantwortlichen selbst durchgeführt werden.
Eine gezielte Analyse von Ergebnisqualität, Nutzerverhalten-/-erwartung und Vergleich mit den Möglichkeiten der eingesetzten Tools führt nach einer
entsprechenden Adaption zum gewünschten Ergebnis bzgl. der Relevanz.
Möglichkeiten der Redaktion und der Such-Verantwortlichen
Ein weiterer Punkt ist die reine Quantität der verantworteten Inhalte. Während bei einem Internetauftritt von bewusst publizierten Inhalten auszugehen ist, lebt eine Unternehmenssuche von nicht explizit verwaltetem Content. Natürlich unterliegen Intranet-Inhalt oder beispielsweise QM-Handbücher einem Redaktionsprozess, der auch eine SEO zulassen würde; die Hauptmenge an Inhalten einer quellenübergreifenden Suche lässt aber die Integration eines SEO-Schrittes im Erstellungs-/Pflegeprozess nicht zu - allein schon aus rein quantitativer Sicht.
Natürlich müssen Content-Lieferanten ihren Suchenden ein Minimum an Auffindbarkeit bei relevanten Begriffen zugestehenindem sie Keywords manuell pflegen. Keyworddichte, Links etc. sind im Intranet aber nicht als Ranking-Signal nutzbar, da die Vermischung von Datenquellen den effektiven Vorteil zunichte macht.
Vorschau
- Teil 2: Wie sehen die „richtigen“ SEO-Maßnahmen für die Enterprise Search aus?
- Teil 3: Woher weiß Ihr Kollege, welche Treffer es überhaupt gibt?
- Teil 4: Optimierungsmöglichkeiten der Intranet-Suche am Beispiel von Apache SOLR und TYPO3
















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